Früher war es schöner.

In einer längst vergangenen Zeit ...

In den achtziger Jahren revolutionierte der Apple Macintosh mit seiner Benutzeroberfläche die Art, wie man mit einem Computer arbeitete. Es standen nicht länger kryptische Kommandos im Vordergrund, sondern eine einfach zu erfassende Symbolik.

Außerdem wollte er als erster Rechner freundlich zum Benutzer sein. Darüber mag man heute lächeln, aber der Rechner ist ein Werkzeug, an dem man viele Stunden seines Lebens verbringt. Wer da morgens »Willkommen!« auf seinem Mac-Bildschirm beim booten sieht, hat ein anderes Verhältnis zum Werkzeug als bei einem, das "%=rYk!&J§#U$G" im POST/BIOS bzw. beim booten von DOS anzeigt. Man gestaltete sein Wohnumfeld in freundlichen Farben, die Aufmerksamkeit für lebenswerte Städteentwicklungen stieg - da war es nur konsequent, wenn das Mittel zur Kommunikation und für die Kreativität eher einer durchdachten Oberklasse-Limousine entsprach als einem hinterindischen Dampfhammerwerk (nichts gegen hinterindische Dampfhammerwerke, natürlich!)

Compact Macs: Collect them all five!

Yum!
Sammle alle fünf Farben.

Fünfundzwanzig Jahre danach warten wir auf die nächste Revolution bei der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Bis heute wurde das Konzept der grafischen Oberfläche nur verfeinert und verbessert, aber nicht ähnlich radikal umgeworfen wie es eigentlich die Haltbarkeit der vorigen Systeme erwarten hätte lassen. Anders gesagt: Der Macintosh war der letzte große Einschnitt. Seit dem kam nicht mehr viel.

Wurde denn ansonsten wirklich immer verbessert? Boot-Zeiten von unter 20 Sekunden faszinieren an den alten Rechnern und mit den richtigen Programmen ist ein zügiges Arbeiten am Knubbelmac genauso möglich. Natürlich sollte man diese Kisten nicht mit Photoshop 4 quälen, aber für einen Text, eine E-Mail, eine Grafik, einen Blick in die Datenbank reicht er vollkommen aus - ob der Rechner nun mit 16 Millionen Instruktionen pro Sekunde verzweifelt darauf wartet, dass der Anwender endlich mal wieder eine Taste drückt, oder mit 4 Milliarden Instruktionen mehrfach parallelisiert pro Sekunde, ist dann auch egal.

Wer die Schlichtheit von MacWrite oder WriteNow kennengelernt hat, der weiß sie zu schätzen. Die Programme sind erfreulich unbunt, unverspielt, zweckgerichtet - aus heutiger Sicht. Damals dachte man wohl anders und dachte vielleicht wehmütig an BeckerText für den C64 oder WordStar auf dem Apple II.

Die Knubbeligkeit

Wer möchte bestreiten, dass die Würfelmacs mit ihrem Design etwas ganz besonderes sind? Nicht umsonst gewann Frogdesign bzw. der Auftraggeber Apple damit mehr als einen Preis - und im Museum of Modern Art in New York steht auch ein Würfelmac-Modell.

Natürlich ist die Knubbeligkeit (das süße Aussehen) eines Rechners nicht alleine ausschlaggebender Faktor beim Computerkauf. Die Alltags-Tauglichkeit ist ein weiteres, wichtiges Merkmal. In der Grafik sieht man die Verteilung der verschiedenen Würfelmac-Baureihen.

Knubbeligkeitsdiagramm
Legende:

Die Skalen reichen von 1 (naja, nicht so prall) über 2 (geht so) und 3 (ganz tauglich) bis 4 (sehr gut).

Während die G2 Würfelmacs heute nur noch für bestimmte Einsatzzwecke (einfachere Textverarbeitung, klassische DFÜ, E-Mail, News, Telnet, FTP) tauglich sind, findet man bei der G3 und LG das volle Einsatzspektrum: ob iCab für WWW oder Photoshop für Bildbearbeitung, alles wichtige läuft. Natürlich darf man keine Geschwindigkeitsrekorde erwarten.

Lifestyle-Artikel?

Heute ist für ein Software-Programm oft ein Millionenetat eingeplant, professionelle Werbekampagnen erreichen den Verbraucher, auf der CeBIT sieht man immer weniger Hackergesichter, dafür aber immer mehr nur spärlich verdeckte Busen von Hostessen, die sich um Mainboards und Software-Pappschachteln räkeln.

Was heutige Lifestyle-Artikel prägen kommt auch in der Hard- und Softwarebranche auf uns zu - nicht der Zweck alleine bestimmt die Gestaltung eines Produkts, sondern das Gefühl der Zielgruppe. Die kauft auch brav danach. Wie sonst könnte man erklären, dass so viele Aldi-PCs über den Ladentisch gehen. Selbstverständlich reichen diese für die typischen Heim-Arbeiten - aber dafür reichte doch auch das Vorgänger-Modell, sonst wäre es nicht gekauft worden. Diese sind im Gebrauchtmarktpreis teilweise so weit gesunken, dass Besitzer sie leider lieber wegwerfen als sie zu verkaufen.

Die Anforderungen an die Rechenleistung steigen normalerweise mit neuen Killerapplikationen: früher war das hochauflösende Farbgrafik oder Internet. Aber seit 10 Jahren steigt für den Normalanwender der eigentliche Bedarf am »mehr« nicht weiter: seit HTML4/CSS/JavaScript und MP3. Seitdem kann man komfortabel im Web surfen und MP3 stotterfrei nebenher hören. Trotzdem sind heutige Rechner mehrfach schneller geworden als die von vor einer Dekade. Gute Gründe für einen Mehrkern-Prozessor laut den Fachzeitschriften : der Virenscan im Hintergrund stört nicht so sehr. Na dann ...

Ökonomisches Denken

So günstig wie ein vorhandener Altrechner kann kein neuer »Green-IT«-PC sein - sowohl ökonomisch wie auch ökologisch, wenn man das überhaupt sinnvoll trennen kann. Aber das wollen viele nicht, denn der Computer ist längst Statussymbol und Modelleisenbahnersatz in einem. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Macs seltener gekauft werden: man muss weniger daran frickeln, um sie bei Laune zu halten. Hört man Computerbegeisterten zu, so erfährt man nur noch von wahren Aufrüst- und Installationsorgien, aber nur selten von den Dingen, die mit dem Computer geschaffen wurden. Der Computer ist also nicht länger Werkzeug sondern zum Selbstzweck geworden.

Macs frontal
Würfelmacs.

So kommt es, dass ich die Verwendung alter Rechner mag. Meine Bekannten, die auf der Suche nach einem privaten Arbeitsgerät sind, frage ich erst, ob es nicht auch weniger tut - finanziell wie MHz-mäßig. Das empfiehlt sich nicht bei allen, aber bei jedem, der nur ein paar Seiten Text schreiben, ein paar E-Mails in der Woche tippen und eine Handvoll Webseiten ansehen will. Da braucht es kein Vierkern-Gerät. Wirklich nicht.

Natürlich spielt bei meiner Vorliebe für alte Macs auch Nostalgie mit. Das sind für mich Jugenderinnerungen der damaligen Unerreichbarkeit der Macs. Als Schüler konnte ich mir das schlicht nicht leisten. So kaufte ich mir dann erstmal einen »Jackintosh«, Spitzname für den Atari 1040STf. In etwa die Hardware eines Mac Plus, manchmal etwas besser, manchmal etwas schlechter, nur zu einem Viertel des Preises. Allerdings gab es dann TOS als Betriebssystem und nicht Mac OS. Es war trotzdem ein guter Rechner. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Letzte Änderung: 2013-06-06, 16:27:58 (CEST)
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